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Thomas Braun, Küchenchef im Kieferneck

Neuer Küchenchef im Kieferneck

Seit Juni diesen Jahres leitet Thomas Braun die Küche des Klassik Restaurants 

im Hotel Kieferneck in Bad Bevensen. Vielen Ortsansässigen bestens bekannt durch seine fast 20 jährige Tätigkeit als Küchenchef des Gourmet-Restaurants im Chalet Hotel Grüning. Thomas Braun ist langjähriges Mitglied der Eurotoques Stiftung und führt den Titel "Eurotoques-Chef de Cuisine".

Gemeinsam mit der Stamm-Mannschaft, Lutz Bröker, Regina Kopp und Tom Reske, führt er die Tradition der Frische-Küche weiter, ergänzt die regionalen und saisonalen Zutaten jedoch mit raffinierten Komponenten aus der französischen Küche. 

Täglich im Angebot von 18 bis 21 Uhr findet sich eine Auswahl an vorweihnachtlichen Köstlichkeiten und ab der zweiten Novemberwoche gibt es natürlich auch Gans, Ente und Grünkohl:

- Gänsebrust mit Rotkohl, gefülltem Bratapfel und Schupfnudeln 22 €

- Zarte Entenkeule mit Rotkohljus, Wirsingkohbällchen & Herzoginkartoffeln 18 €

- Grünkohl klassisch mit Kasseler, Bregenwurst  und karamellisierten Heidekartoffeln 15 €

- Ganze Gans oder Ente mit klassischen Beilagen gern auf Anfrage     

Alle Jahre wieder organisiert das "Kieferneck“ in weihnachtlichem Ambiente  ganz persönliche

Weihnachtsfeiern für Familien, Kollegen, Mitarbeiter oder Freunde.

Kieferneck, Lerchenweg 1, Bad Bevensen  

Wir beraten Sie gern: Telefon  05821 560 

www.kieferneck.de


Weihnachts-Büffet im Kieferneck Genuss im Winter und zu Weihnachten
Genuss im Winter und zu Weihnachten Genuss im Winter und zu Weihnachten Weihnachts-Büffet im Kieferneck

Weihnachten 2015 in der Lüneburger Heide

Festliche Tage genießen und entspannen...  

4 Tage / 3 Nächte  Anreise am 24.12. Abreise am 27.12.

mit folgendem großen Weihnachts-Programm:

- täglich Schlemmer-Frühstück mit Lachs und Sekt bis 11 Uhr 

- am 24.12. erwarten wir Sie nachmittags zu einer fröhlichen

  Weihnachtsfeier mit Heiß-Getränken und frisch gebackenen Waffeln   

- am Heiligen Abend servieren wir Ihnen das festliche 4-Gänge-Menü

- am 25. abends genießen Sie das Weihnachts-Gourmet-Buffet mit 

  stimmungsvoller, musikalischer Begleitung  durch den "Kammerchor Lüneburg"

  unter der Leitung von Chordirektor Heinz-Egon Kretzer 

- am 26. Dezember erwartet Sie ein winterliches 4-Gänge-Abendmenü 

- Leihbademantel, Slipper und 1 Fl. Mineralwasser bei Anreise

- freie Nutzung von Hotel-Schwimmbad, Sauna, Dampfbad und Fitness


Weihnachten 2015 in der Lüneburger Heide Weihnachten 2015 in der Lüneburger Heide
Weihnachten in der Lüneburger Heide Weihnachten in der Lüneburger Heide Weihnachten in der Lüneburger Heide Weihnachten in der Lüneburger Heide

Silvester in der Lüneburger Heide

Feiern Sie mit uns ins neue Jahr bei viel Spaß, Genuss und Entspannung ...

4 Tage / 3 Nächte

Anreise Donnerstag 31.12. 2015 - Abreise Sonntag 03.01.2016 

 Halbpension, Voranreise und Verlängerung gerne zubuchbar.

- täglich Schlemmer-Frühstücksbuffet mit Lachs & Sekt bis 11 Uhr, 

  am Neujahrsmorgen "Katerfrühstück" bis 12 Uhr 

- 1 x 2 Stunden Badespass in der Jod-Sole-Therme 

- Leihbademantel, Slipper und 1 Fl. Mineralwasser bei Anreise

- freie Nutzung von Hotel-Schwimmbad, Sauna, Dampfbad und Fitness

- am 31.12. erwarten wir Sie in der Lobby zum Erinnerungsfoto 

  und Sektempfang von 18 bis 18.30 Uhr,

  anschließend nehmen wir am Tisch Ihre Getränkebestellung auf 

  und beginnen mit dem 5-Gänge-Galamenü um 19:30 Uhr. 

- Der Abend wird begleitet von Star-D.J. Matthias Glück.  

- Zum Anstoßen aufs NEUE JAHR servieren wir Ihnen ein 

  Glas Sekt kurz vor Mitternacht und         

- empfangen das Jahr 2016 mit einem wunderschönen Feuerwerk 

  mit musikalischer Untermalung vor dem Hotelportal und ...

… weiter geht die Silvesterparty bei bester Laune und TANZ in den 

   Morgen. Leckeres zur Stärkung auf dem Party-Buffet ab 1 Uhr. 


Silvester in der Lüneburger Heide
Silvester in der Lüneburger Heide Silvester in der Lüneburger Heide Silvester in der Lüneburger Heide Silvester in der Lüneburger Heide

Kieferneck Top bewertet bei HRS und HOTEL DE


Bildergebnis für HRS GROUP


Top Bewertung Kieferneck Lüneburger Heide

DAS CAFÉ KIEFERNECK IM PALMENGARTEN UND DAS BISTRO IN DER JOD-SOLE-THERME, BAD BEVENSEN

Die Philadelphia Torte ist der Hit...

Genuss für zwischendurch im Bistro und im Café Kieferneck in der Jod-Sole-Therme, Bad Bevensen

(nbo) Bad Bevensen. Dass Schwimmen hungrig macht, ist kein Geheimnis. Umso schöner ist es, sich zwischen den Bade- und Saunafreuden ganz unkompliziert im Bademantel an deftigen oder süßen Leckereien stärken zu können.

In diesen Genuss kommen die Besucher der Jod-Sole-Therme im Kieferneck-Bistro. Dort gibt es frisch belegte Brötchen, knackige Salate, leckere Snacks wie Toast Hawaii und köstliche Suppen in bewährter Kieferneck-Qualität. Wer es lieber süß mag, kommt an den leckeren selbstgebackenen Torten nicht vorbei – die Philadelphia-Torte ist übrigens der absolute Favorit bei den Gästen und wird jeden Tag aufs neue von den freundlichen Mitarbeiterinnen zubereitet.

Aber auch außerhalb des Thermenbereiches sind all diese Köstlichkeiten zu genießen. Im gemütlichen Café Kieferneck umsorgt das freundliche Service-Team die Gäste.

„Zum Wohle des Gastes – Frische und Qualtät“ ist die Devise des Hotel Kieferneck – und das gilt selbstverständlich auch hier bei uns im Café und Bistro Kieferneck“, so Stefanie Sommer, Leiterin der beiden Betriebe.

 Das unwiderstehliche Angebot im Café Kieferneck, in der Thermenhalle am Palmengarten oder auf der Terrasse im Kurgarten am Thermenbrunnen und im Bistro zwischen Schwimmbecken und Saunalandschaft:




Leseprobe: Ismaels Orangen von Claire Hajaj

Mit ausdrücklicher Genehmigung des Blanvalet Verlags der Verlagsgruppe Randomhouse,

darf Ihnen das Wellness Hotel Kieferneck, Bad Bevensen, Lüneburger Heide,

diese spannende und leider immer noch hochaktuelle Leseprobe bieten.

Das Buch steht Gästen in der hauseigenen Bibliothek gerne leihweise zur Verfügung.

Wir wünsche gute Unterhaltung bei diesem exzellenten Lesestoff...

Claire Hajaj  ISMAELS ORANGEN

ROMAN

Aus dem Englischen von Karin Dufner

Die Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel »Ishmael’s Oranges« bei Oneworld Publications, London.

Dies ist eine fiktive Geschichte.
Ähnlichkeiten mit real existierenden, lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig. Die beschriebenen Begebenheiten, Gedanken und Dialoge sind fiktiv.

 

Verlagsgruppe Random House FSC® N001967 Das FSC®-zertifizierte Papier EOS für dieses Buch liefert Salzer, St. Pölten.

1. Auflage
© der Originalausgabe 2014 by Claire Hajaj
© der deutschsprachigen Ausgabe 2015 by Blanvalet Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH Umschlaggestaltung: www.buerosued.de Umschlagmotiv:
Baum: Jaime Monfort/Getty Images (Bildnummer 107998561) Junge: Kamrul Hasan 2010/Getty Images (Bildnummer 124371123) Satz: Uhl + Massopust, Aalen
Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck
Printed in Germany
ISBN 978-3-7645-0516-5

www.blanvalet.de

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https://www.youtube.com/watch?v=d2hciN4kGYk

In der Presse kommt Claire Hajaj Buch ürigens hervorragend an, hier nur ein kleiner Auszug:

 

"Einfühlsam und differenziert erzählt die Autorin die Geschichte […] von der Zerreißprobe einer Familie und von zwei unversöhnlichen Völkern, die sich näher sind, als sie sich eingestehen wollen." (Donna, Ausgabe 04/2015)

"Claire Hajaj hat ihre Familiengeschichte und zugleich einen großen Roman über den Nahostkonflikt geschrieben." (NDR Kultur HF)

"Claire Hajaj sieht die Welt durch zwei paar Augen: Ihre Mutter ist Jüdin, ihr Vater Palästinenser – das hat ihr mitreißendes Romandebüt inspiriert." (emotion, Ausgabe 04/2015)

"Ein anregendes Debüt von Claire Hajaj schlägt eine literarische Brücke zwischen einer jüdischen Mutter und einem Vater aus Palästina." (3sat Kulturzeit,)

"In 'Ismaels Orangen' entwirft Claire Hajaj eine epische Liebes- und Familiengeschichte, die Elemente der eigenen spiegelt und in ihrer emotionalen Wucht an die Romane des afghanischstämmigen Khaled Hosseini erinnert." (MADAME)

"Ein bewegendes Buch über Liebe, Hass und Krieg." (ELLE, April 2015)


Für meine Familie, die am Anfang der Reise stand – in Bewunderung und Liebe

Geliebte Sophie,

ich erwarte nicht, dass Du mir verzeihst oder Verständnis für mich hast. Du warst von Anfang an das ausgleichende Element. Die Friedensstifterin.

Allerdings kann ich es inzwischen absolut nachvollziehen, nun, da ich hier bin und es sehe, Sophie. Ja, ich sehe es mit eigenen Augen, nachdem ich es mir so viele Jahre lang nur ausgemalt hatte. Es ist wirklich genau wie auf dem Bild. Weiß. So weiß wie ein Knochen. Hinter dem Tor wachsen Bäume, und der Staub überall schimmert wie Gold.

Eigentlich sollte ich diesen Ort ja hassen. Aber es ist so wunderschön, wie es hier draußen so ganz allein steht. Wie in den Amateurfilmen, die wir als Kinder in der Wüste gedreht haben. Weißt du noch? Bilder ohne Ton. Wir alle haben gelacht und gewinkt, er hat die Kamera bedient und uns angefeuert. Das waren die einzigen Momente, in denen wir nicht Theater gespielt haben, in denen wir tatsächlich beinahe eine Familie waren.

Soll ich dir sagen, was am meisten wehtut? Die vielen Gutenachtgeschichten, die Mum uns vorgelesen hat – Du

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weißt schon, die mit »Es war einmal« und »Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute«. Erinnerst Du Dich, wie viel Freude wir daran hatten? Aber es war alles nur Lüge. Geschichten haben weder Anfang noch Ende. Sie gehen einfach immer weiter. Du, ich, sie, die vielen Menschen vor uns, sie tanzen alle zu derselben beschissenen Melodie. Und ich bin müde, so saumüde. Und trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, wie das jemals aufhören soll.

Das Schlimmste ist, dass wir vielleicht wirklich die Möglich- keit gehabt hätten, in diesem Haus glücklich zu werden. Wäre das nicht der größte Witz der Welt? Wenn der alte Sturkopf letztlich doch damit recht gehabt hätte, dass es unser wahres Zuhause hätte sein können? Unsere schönsten Erinnerungen hängen an der Wand. Mein erster Auftritt. Du und ich, Hand in Hand am Strand. Mum im Hochzeitskleid. Sogar ein Bild von ihm, beim Fußballspielen genau hier, barfuß im Staub, und ringsherum das Meer. All die Dinge, die ich an ihm hätte lieben können und die ich weiter geliebt habe, selbst nachdem er mich weggeworfen hat.

Ich wünschte, ich könnte es besser erklären, Sophie. Ich würde so gern einen Weg finden, es verständlich auszu- drücken, damit Du auch ohne Worte verstehst, was ich meine. So wie früher. Du wirst es sicher versuchen, weil Du mich liebst. Aber manchmal genügt das eben nicht, oder?

Weißt du was? Ich habe da so einen Traum. Ich träume, dass wir uns eines Tages alle hier versammeln werden. Die beiden Sippen, ihre und seine. Wäre das nicht ein wundervolles Ende? Wir könnten den kleinen Pfad entlanggehen, bis wir

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am Meer sind. Ich höre es auf der anderen Seite des Hügels, kann es aber nicht sehen. Es spricht mit mir. Ich schwöre, dass es mir mit hundert Stimmen etwas zuraunt. Bestimmt könnte es erzählen, was in Wahrheit hier passiert ist – wenn ihm nur jemand zuhören würde. Doch keiner tut es. Wir alle taumeln blind durch die Welt. Wir schauen einfach durch einander hindurch wie Fremde. Selbst durch die Menschen, mit denen wir unter einem Dach leben.

Vergiss nicht, dass ich Dich immer lieben werde.

Marc
Jaffa, Dezember 1988

Noch während er die letzten Worte schrieb, war ihm klar, dass zu vieles unausgesprochen geblieben war. Doch die Zeit wurde knapp – die Momente flossen ineinander, ein unglaubliches Gefühl, so als würde er hinuntergezogen auf den Meeresgrund. Inzwischen trieb er mit der Flut und wurde von einem strah- lenden, schillernden Meer und der Wärme des weißen Steins unter seiner Hand in Richtung seines Ziels getragen, als er über die hohe Mauer schlüpfte. Bebende Äste voller Blätter und Schatten halfen ihm hinunter in den stillen Garten.

Endlich berührten seine Füße den Boden. Und da sah er es – eingeschnitzt in den Baumstamm. Ungelenke Kinder- buchstaben, eingegraben in die Rinde. Er fuhr mit den Fingern die schwachen Schnörkel nach. Salim. Der Bogen des m war nur halb geschlossen, verschluckt vom nachwachsenden Holz. Kurz empfand er Verwirrung; die längst vergessene Inschrift wurde zu einem Gesicht, und ein Augenpaar stellte eine Frage, auf die er keine Antwort hatte. Er legte eine Hand darüber, um es nicht anschauen zu müssen. Dann griff er mit der anderen Hand zum Messer und schnitzte darunter seinen eigenen Na- menszug ein.

Die Glasscheibe in der Küchentür bestand aus Wasser; sie teilte sich, als er die Hand hindurchstreckte, und er spürte nichts. Und dann, endlich, sah er, wie sich das Haus für ihn öffnete und ihn willkommen hieß.

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Als er mit seiner leeren Tasche in die Küche zurückkehrte, hörte er, wie sie sich am Tor zusammenfanden, ein hoher be- harrlicher Ton wie vom Summen einer Biene. Jetzt wurde es Zeit, und einen Moment pochte die Angst. Dann jedoch hielt er sich wieder vor Augen, dass seine Arbeit getan war, er war bereit. Und zwischen ihm und den Stimmen erhoben sich die raunenden Bäume, lag das Gewicht der Erde unter einem schützenden Gewirr aus Ästen.

Er konnte sie hören, wenn er die Augen schloss. Ein ge- dämpfter Chor aus Stimmen schwebte durch die Baumkronen wie Luftblasen aus der Vergangenheit, freigesetzt von dem- selben Wind, der das Laub verwehte und den Geruch von Orangen ins Haus trug.

Gelächter hallte durch die Bäume. Oder etwas Ähnliches – die hellen, hohen Rufe spielender Jungen. Und irgendwo hin- ter ihm, weit weg hinter geschlossenen Türen, sang vielleicht eine Frau.

Plötzlich wurde er von dem Drang ergriffen, diesen Stim- men zu antworten, aufzustehen, die Türen aufzureißen und er- kannt zu werden. Doch dann, in diesem Augenblick, kam das Licht herangebraust. Es raste mit voller Wucht vorwärts, durch die Tür und über ihn hinweg, bis ins Innere des Hauses. Es er- füllte ihn dabei mit Frieden und riss alles mit sich wie die bran- dende Flut.

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Das Leben jedes Menschen schließt die Leben aller anderen mit ein. Eine Geschichte ist nichts weiter als ein Bruchstück einer an- deren Geschichte.

Stephen Vizinczey

1 Reisen

Ein »Abwesender« ist ein palästinensischer Staatsbürger, der seinen Wohnort vor dem 1. September 1948 verlassen hat, um an einem Ort zu leben ... der zum Einflussbereich von Mächten gehört, die die Gründung des Staates Israel verhindern wollen ... Alle Eigentumsrechte eines Abwe- senden an Grundbesitz gehen automatisch in den Besitz des Custodian Council for Absentee Property über.

Aus dem israelischen Gesetz über das Eigentum Abwesender von 1950

Die Juden sind ohne Zweifel kein liebenswertes Volk. Ich selber kann sie nicht leiden. Aber das ist doch kein Grund für ein Pogrom.

Neville Chamberlain, Briefe, 1938

1948

»Yalla*, Salim, los! Die Juden werden dich holen, Bauernjunge! Sie schmeißen dich raus und verhauen dir den knochigen Hin- tern wie einem Esel.«

Zwei Jungen standen einander auf der Staubstraße zwischen Jaffas Orangenhainen und dem Meer gegenüber.

Der eine war älter, kräftig gebaut und schwarzhaarig. An Kinn, Armen und Bauch wabbelten Fettwülste wie an einem schlachtreifen Lamm. In einigen Jahren würden sie sich in die respekteinflößende Leibesfülle eines A’yan verwandeln – eines wohlhabenden Mannes, der im Kaffeehaus herumsaß, in einer weißen Villa wohnte und eine teure Ehefrau hatte. Doch bis jetzt brachte die Körpermasse nur den Vorteil der kräfte- mäßigen Überlegenheit. Ansonsten musste sich ihr Besitzer eben schwitzend durch die warme Frühlingsluft quälen.

Der Jüngere der beiden hatte sich dem sich allmählich ver- dunkelnden Wasser zugewandt. Er hatte einen Fußball in der Hand und trug geschnürte schwarze Schulschuhe und ordentli- che braune Shorts. Das weiße Hemd war manierlich in den Ho- senbund gesteckt und bis zum Kinn zugeknöpft; sein schmales, blasses Gesicht sei wie ein offenes Buch, pflegten die Frères zu scherzen, eine leere Seite, auf die jeder schreiben konnte.

* Für Erläuterungen zu den einzelnen Fremdwörtern und Redewen- dungen siehe Glossar am Ende des Romans.

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»Nenn mich nicht Fellah«, erwiderte er zögernd und drehte den Fußball zwischen den Händen hin und her. Es war nicht ratsam, sich mit Masen anzulegen, der mit seinen knapp zehn Jahren schon ordentlich hinlangen konnte. »Ich bin kein Bauer.«

»Warum nicht? Du wohnst auf einer Farm, und dein Vater lässt dich Obst pflücken wie die Fellahin.«

Salim lag eine zornige Antwort auf der Zunge, doch er schluckte sie, plötzlich verunsichert, hinunter. Hatte er letzte Woche nicht selbst darum gebettelt, mit zu den Orangenhai- nen zu dürfen? Die Erntezeit neigte sich dem Ende zu, und die Arbeiter seines Vaters hatten das Obst auf der Farm der Fami- lie gepflückt – fünfzehn ganze Dunums, fünfzehntausend Qua- dratmeter gutes Orangenland. Er hatte es sich zum Geburtstag gewünscht, bei der Ernte mithelfen zu können: Er war jetzt sie- ben, und eines Tages würde er sich die Haine mit Hassan und Rafan teilen. Lass mich mitkommen, hatte er gebeten. Aber sein Vater hatte Nein gesagt, und Salim hatte zu seiner Schande ge- weint.

»Mein Vater gibt Fellahin Arbeit, deiner steckt sie ins Ge- fängnis«, wechselte er die Strategie. Masens Vater war einer der obersten Richter von Jaffa, ein Kadi. Hassan sagte, dass er vor Geld stank. »Wenn die Juden kommen und in eurem Haus wohnen, kann dein Vater ihnen helfen, uns alle einzusperren.«

Masen grinste. »Keine Angst«, sagte er. »Wenn du mich nett bittest, kümmere ich mich um dich und deine hübsche Mama. Aber Hassan, dieser Blödmann, kann schauen, wo er bleibt.«

Er nahm Salim den Fußball weg und schlug den Weg zum Meer ein. Der kleine Junge folgte ihm, ohne nachzudenken, und schritt, die Arme seitlich herabbaumelnd, in den Sonnen- untergang hinein.

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»Die Juden kommen sowieso nicht. Nicht, solange die Briten hier sind«, verkündete Salim, dem plötzlich einfiel, was Frère Philippe ihm heute Morgen in St. Joseph gesagt hatte. In der Pause war es zu einer Rauferei zwischen zwei Jungen gekom- men: Der eine hatte den Vater des anderen als Verräter be- zeichnet, weil er seine Dunums an die Juden verkauft hatte. Da- raufhin hatte der andere zurückgebrüllt, zumindest sei er nicht wie ein Feigling aus seinem Haus geflohen. Die beiden schlu- gen sogar noch aufeinander ein, als sie an den Ohren gepackt und abgeführt wurden. Salim hatte dagestanden wie erstarrt, während Masen sie lachend angefeuert hatte. Danach hatte Frère Philippe ihm sanft die Wange getätschelt. »Keine Angst, Habibi« – mein Freund –, sagte er, während im Hintergrund das Schnalzen der Peitsche ertönte, als die beiden Raufbolde ihre Tracht Prügel bezogen. »Dieses ganze Gerede von den Ju- den und Armeen ... Es sind nicht alle wild darauf zu kämpfen, nicht, solange die Briten hier sind und Gott über seine Schäf- lein wacht.«

»Gott hilft denen, die sich selbst helfen«, entgegnete ein an- derer Frère mit finsterer Miene.

»Wollen wir es hoffen ...«, meinte ein anderer. »Denn auf die Briten würde ich mich nicht verlassen.«

»Du bist ja so ein Esel, Salim«, höhnte Masen und holte ihn damit in die Gegenwart zurück. »Den Briten ist es egal, ob wir leben oder sterben. Sie wollen dieses Land zerteilen wie eine Orange und den Juden das größte Stück geben. Aber bei Gott, wir werden bereit sein. Sollen sie die Najjada nur herausfor- dern. Ich kann es kaum erwarten, einen Juden abzuknallen.«

Salim konnte es sich nicht vorstellen, auf einen Menschen zu schießen. Er hatte einmal miterlebt, wie ein britischer Poli- zist einen kranken Hund – einen Streuner – erschossen hatte.

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Das traurige Geräusch der in den Körper eindringenden Kugel hatte dafür gesorgt, dass Salim in die Knie gegangen war und sich übergeben musste. Und dann war noch die Sache letzten Monat gewesen – das Blut, das über die Pflastersteine auf seine Schuhe gelaufen war –, doch daran wollte er lieber gar nicht denken.

»Du darfst ja gar nicht zur Najjada«, verkündete er, steckte die Hände in die Hosentaschen und straffte die Schultern. »Du bist nämlich noch ein Junge. Mama sagt, die nehmen nur Männer.« Pfadfinder mit Gewehren hatte sie die Soldaten bei der Parade letzte Woche genannt, doch Salim hatte sich auf die Zehenspitzen gestellt und hinter Hassans Rücken hervor- gespäht, um zu sehen, wie die jungen Männer auf dem Clock Tower Square strammstanden. Sie hatten lange Gewehre und trugen schneidige graue Uniformen. Er kannte einen von ihnen. Masens Clique nannte ihn Katzenarsch, weil er einen dunkelbraunen Pickel mitten auf dem Kinn hatte. Sie hatten ihn deshalb gehänselt, bis ihm die Tränen kamen. Doch an je- nem Tag hatten seine Augen stolz geleuchtet. Hassan wäre auch gerne beigetreten, aber Mohammad Nimir al-Hawari nahm keine Jungen unter fünfzehn auf.

»Deine Mama hat eben den Verstand einer Frau«, höhnte Masen. »Al-Hawari ist ein Freund meines Vaters. Außerdem würde ich es dir sowieso nicht sagen, wenn ich mich freiwillig melde. Kleine Esel wie du dürfen da nicht mitmachen.«

»Ich bin kein Esel«, flüsterte Salim, als Masen vorauslief. Manchmal, in seinen kühnsten Träumen, malte Salim sich aus, dass er Masen zu Boden stieß und ihn trat wie einen fetten Fuß- ball. Doch Masen war mit seinen riesigen Fäusten und seinem grausamen Spott sogar noch angsteinflößender als die Juden. Hoffentlich kriegen die Juden Masen, wenn sie kommen.

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Und die Juden würden kommen. Das tuschelten die Frères in der Schule einander zu. Die Landbevölkerung floh vor den herannahenden feindlichen Kämpfern, sodass es in Jaffa von Flüchtlingen mit ihren schmutzigen Säcken und ihren quen- gelnden Kindern nur so wimmelte. Salims Vater hatte sich beim Bürgermeister über sie beschwert, doch seine Mutter ließ Lebensmittelpakete an die Frauen mit Kleinkindern ver- teilen. Salim begriff nicht, warum diese Leute lieber in Jaffas Moscheen und Kirchen schliefen anstatt bei sich zu Hause.

Doch heute, im strahlenden Sonnenschein und in einer Luft, die nach Meerwasser und Orangen duftete, brauchte man keine Angst zu haben. Die beiden Jungen jagten einander den Pfad entlang, rannten durchs Gestrüpp und riefen in die warme Meeresbrise hinein. Als der Ball aufs Wasser zuflog, lief Salim atemlos und aufgeregt voraus und schnappte ihn sich, bevor die Wellen ihn verschlucken konnten. Er wirbelte herum, um seinen Triumph zu feiern, stellte aber plötzlich fest, dass er allein war. Seine Wangen röteten sich, als er Masen entdeckte, der oben auf der Böschung stand und zu ihm hinuntergrinste.

»Immer wieder fällst du darauf rein«, sagte er lachend. Salim senkte den Kopf, um das peinliche Erröten zu verber- gen. Warum lässt du dich dauernd von ihm austricksen, Idiot?, schienen die Steine auf dem Boden ihm zuzuflüstern.

»Komm, Fellah«, meinte Masen und wies auf Salims schmut- zige Knie und sein verschwitztes Gesicht. »Ich habe Hunger. Lass uns in den Souk gehen.«

Von Al-Ajami gab es zwei Wege zu den Souks am Clock Tower Square von Jaffa.

Die Route von Salims Haus aus führte schnurstracks durch das stille Landesinnere, vorbei an von der Sonne ausgebleich-

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ten weißen Strandvillen, aus deren ummauerten Gärten pracht- volle Kaskaden roter Bougainvilleen und der intensive Geruch von Orangen quollen. Danach bog man links in die alte Al- Ajami Street ein, wo neue Automobile an Eseln vorbeisaus- ten, die schwer mit Granatäpfeln und Zitronen beladen waren. Die Tür von Abulafias Bäckerei stand immer offen, selbst in den kühlen Wintermonaten. Hunderte von Malen hatte Salim schon dort gewartet, seine Sinne überflutet vom Duft nach Ge- bäck und Wolken von Zimt und Piment. Seine Mutter liebte Manakisch, mit Thymian und Sesam bestreute Brotfladen. Er hatte sich von ihr mit kleinen Stücken davon füttern lassen, während sie durch Jaffas Altstadt mit ihren Kaffeehäusern ge- schlendert waren, aus denen der gelbliche Rauch der Wasser- pfeifen wehte.

Der andere Weg zum Clock Tower Square gehörte den Jun- gen von Jaffa. Ihn zu nehmen bedeutete sozusagen eine Mut- probe. Sobald ein Junge gehen konnte, wurde er herausge- fordert, ihn auszuprobieren, was hieß, die wilden Strände zu überqueren, glitschige Felsen zu überwinden und sich dann, Schritt für Schritt, unter der alten Hafenmauer entlangzutas- ten.

Heute brannte die Sonne auf den gewaltigen Halbmond des Mittelmeers herunter; golden schimmernd, hob sich das Was- ser vom schwarzen Land ab wie ein Ohrring von der Gesichts- haut eines Afrikaners. Salim und Masen sprangen über Tümpel und spritzten die Jungen nass, die dort mit nackten Armen ver- suchten, Krebse zu fangen. Sie kletterten über schartige Felsen, bis der aus weißem, vom Meerwasser fleckigem Stein beste- hende Hafen von Jaffa in Sicht kam.

»Der Hafen von Jaffa ist so alt wie das Meer«, hatte Frère Philippe ihnen beigebracht. »Er war schon vor den Arabern

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und den Juden da. Gott selbst hat Noahs Sohn Japhet in ural- ten Zeiten hierhergeführt. Hier ruhen die Gebeine von zwei- undzwanzig Armeen. Die Heiden von Theben haben die Jung- frauen, die sie opfern wollten, genau dort angekettet.« Als er mit einer runzeligen Hand in Richtung Meer deutete, folgten ihm ein Dutzend Augenpaare. »Da draußen auf den Felsen, die wir Andromeda nennen, und dann haben sie darauf gewartet, dass ein Meeresungeheuer sie verschlingt. Der Kreuzfahrerkö- nig Richard Löwenherz hütete hier im Hafen das Krankenlager und flehte Salah Al-Din um Frieden an. Der gottlose Kaiser Napoleon campierte am Leuchtturm, während die Pest seine Armee dahinraffte und seine tapferen Gefangenen sich gegen ihn erhoben. Der hat seine Lektion gelernt, das kann ich euch sagen, mes enfants: Jaffa ist ein Ort, den Gott liebt, und alle sind verflucht, die ihm Schaden zufügen wollen.«

Zu seiner Schande musste Salim gestehen, dass er den eng- lischen König verehrte, während die meisten Jungen Napoleon oder Salah Al-Din, dem Bewahrer des Glaubens, den Vorzug gaben. Als er sich nun vorsichtig unter der vergilbten Hafen- mauer hindurchtastete, stellte er sich Richard vor. Vielleicht hatte er ja das Gleiche erlebt wie er jetzt: das muffige Schwappen des seichten Wassers und den blutigen Geruch der Feluccas, die den Fang des Tages an Land brachten. Nur die großen Damp- fer am Horizont wiesen darauf hin, dass seitdem viele Jahrhun- derte vergangen waren.

Bis er sich zum Hafen hinaufgezogen hatte, hatte Masen be- reits eine herumliegende Orange gefunden. Er warf das weiße Häutchen auf den Boden, gelber Saft rann ihm übers Kinn. »Da drüben ist es«, verkündete er und zeigte mit einem pum- meligen Finger nach Norden. »Dort sind sie.« Auf der ande- ren Seite der Bucht ragten die funkelnden Wolkenkratzer von

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Tel Aviv in den Himmel und erstreckten sich, so weit das Auge reichte, die geschwungene Küste entlang.

Meistens nahm Salim Tel Aviv kaum zur Kenntnis. Nur die ganz alten Leute, die Großmütter und Großväter seiner Freunde, sprachen manchmal noch von einer Zeit, als Jaffa von Wanderdünen umgeben und Tel Aviv nur ein paar Mu- scheln in einer Sandverwehung gewesen war. Für Salim hatte es die Stadt schon immer gegeben. Genauso wie die Briten. Auch die waren schon immer hier, die Commissioners und Comman- ders, diese steifen Männer mit den rosigen Gesichtern. Die Jun- gen nannten sie Schwee schwees; so klang das Geräusch, das Schweine von sich gaben. Allerdings mochten sie die Garni- son in Jaffa. Ein Gefreiter, der Jonno hieß, schenkte Masen und Hassan manchmal Zigaretten. Er hatte Salim versprochen, dass er auch welche haben könne, sobald er acht sei.

In letzter Zeit hatte Salim den Eindruck gehabt, dass er Tel Aviv häufiger zu Gesicht bekam als einen Briten. Die britische Herrschaft über die Mutter Palästina endet nächsten Monat, sagten die Frères. Und dann wird ein neues Land namens Is- rael aus ihrem Schoß hervorbrechen und sie für immer zerrei- ßen. Salim hatte Masens Vater es in einfachere Worte kleiden hören: »Wenn ihr das nächste Mal einen Briten seht, wird er an Deck eines Schiffes stehen und euch zum Abschied zuwinken.«

»Es ist spät«, stellte Masen stirnrunzelnd fest, als der Ruf zum Abendgebet ertönte. »Wenn du nicht so rumtrödeln wür- dest, wären wir schon längst da.«

»Lass uns besser nicht hingehen«, erwiderte Salim rasch. Die Furcht, die beim Herumklettern unter der Mauer in ihm aufgestiegen war, schwappte nun wie eine bittere Welle über ihn hinweg. Im Abendlicht sahen seine Füße rot aus, so rot wie das Blut auf den Steinen und das Geräusch der Schreie.

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Aber Masen lachte nur. »Hosenscheißer! Baby!«, höhnte er. Er wischte sich den Mund ab, packte Salim am Arm und zog ihn in die schmalen Gassen von Jaffa, während die Worte des Muezzins die Stadt einhüllten, ein atonaler Klagelaut, der sich an allen Mauern brach.

Sie erreichten den Clock Tower Square, als die Melodien verhallten. Salim keuchte, und der Arm tat ihm weh. Masen ließ ihn los, und er blieb einen Moment stehen, um wieder zu Atem zu kommen und sein wild klopfendes Herz zu beruhi- gen. Unwillkürlich wanderte sein Blick die schroffen Kanten des Turms hinauf. Sultan Abd Al-Hamid II. stand auf einer Pla- kette an der Mauer. Sie hatten in der Schule gelernt, dass dem großen ottomanischen Kaiser das Geld – und vielleicht auch die Geduld – ausgegangen war, worauf er Jaffas Honoratio- ren aufgefordert hatte, den Turm doch selbst zu bezahlen. Bis heute gab es in Jaffa kaum einen reichen Mann – ganz gleich, ob Moslem, Christ oder Jude –, der nicht für sich in Anspruch nahm, an den Kosten beteiligt gewesen zu sein.

Doch damit war es nun vorbei. Auf der anderen Seite des Platzes klaffte die Ruine des New Seray Government House, ein Trümmerberg, wie eine offene Wunde. Die Explosion hatte das Gebäude auseinandergerissen, sodass es nun als zahnlose Mundhöhle über den Platz ragte.

Salim kletterte über den Schutt. Masen beobachtete einen in eine Kufiya gehüllten Mann, der Steine aus dem Haufen zog.

»Ich wette, da liegen noch Leichen drunter.« Masen wies auf die dunkelroten Flecken. »Oder vielleicht Arme und Beine und so. Wenn mein Vater zum Bürgermeister gewählt worden wäre und nicht Heikal, dieser Idiot, hätte er das alles schon längst wegräumen lassen. Riech nur, wie es stinkt. Aber vielleicht fällt es dir ja gar nicht mehr auf, weil Hassan immer so mieft.«

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Salim spürte, wie sich ihm der Magen umdrehte. Die Bom- ben seien in einem Laster voller Orangen versteckt gewesen, hieß es. Der Fahrer habe zwar wie ein Araber ausgesehen, aber in Wirklichkeit zur Irgun gehört, zu den gefährlichsten Juden von allen.

Sie hatten den Knall auf dem Weg zum Klassenzimmer ge- hört und danach die Schreie. Hassan war sofort losgerannt, sein Tornister tanzte auf seinem Rücken. Voller Angst, zurück- gelassen zu werden, hatte Salim sich an seine Fersen gehef- tet. Er hatte nach Hassans Tornister gegriffen, bis sein Bruder vor ihm in einer dicken gelben Wolke verschwunden war. Im nächsten Moment hatte die Wolke sich auch über ihn gelegt, und der Staub hatte ihm den Atem geraubt, während unter sei- nen Füßen Glasscherben und Schutt knirschten, sodass er stol- perte und der Länge nach zu Boden fiel. Trotz des Klingelns in seinen Ohren hatte er Sirenen gehört. Jemand schrie im- mer wieder Omar! Omar! Er war wie in einem dunklen Brun- nen gefangen, in dem er ertrank. Als er Hassans Namen rufen wollte, war sein Mund voller Staub. Etwas Großes und Wei- ches lag neben seinen Beinen und sonderte pulsierende Flüs- sigkeit ab, bis sich seine Leinenschuhe in der allmählich wieder zum Vorschein kommenden Sonne rot verfärbten. Wie erstarrt hatte er dagelegen, während sich die Farbe immer mehr um ihn herum ausbreitete. Bis plötzlich Hassan über ihm erschien. Sein Gesicht war mit grauem Staub verschmiert, seine Augen waren geweitet wie bei einem geschlagenen Pferd. Er zerrte Salim an seinem schmutzigen Hemd hoch und schleppte ihn nach Hause.

Am nächsten Tag weinten Jaffas Mütter, während britische Soldaten die Ruinen durchkämmten. Wie gelähmt hatte er zu- gesehen, wie Masen den Fetzen eines Hemdes unter einem

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Mauerstein hervorgezogen hatte. Der Stoff war weiß und mit schwarzem Blut und braunem Morast verkrustet. Der Geruch war abscheulich, und er wurde ihn nicht mehr los, selbst als die Polizisten sie davonjagten.

Salim zupfte Masen am Hemd. »Können wir jetzt bitte ge- hen? Ich finde es scheußlich hier.« Masen schob Salims Hand zwar weg, wandte sich aber trotzdem ab. Sie werden Geister, hatte Masen ihm erklärt, als die Leichen abtransportiert wur- den. Die Toten kommen ohne Rache nicht zur Ruhe.

Sie machten sich auf den Weg zum Souk El Attarin, um Sü- ßigkeiten zu kaufen. Die Berge von Pistazien, Zitronen, Rosen und Gold rochen so gut wie immer, aber Salim hatte einen tro- ckenen Mund. Normalerweise mussten sich die Jungen durch eine Menschenmenge kämpfen, um an die Leckereien heranzu- kommen. Allerdings nicht heute. Der Souk war beinahe men- schenleer. Der alte Ladenbesitzer sah sie aus hungrigen Augen an, als sie ihm ihr Taschengeld übergaben.

»Hallo, Salim!«

Erschrocken blickte Salim sich um. So kurz vor der Aus- gangssperre hätten sie eigentlich nicht mehr auf der Straße sein dürfen.

»Mist!«, rief Masen aus. »Das ist der Yehuda-Scheißer.«

»Hallo, Elia«, erwiderte Salim. »Wie läuft’s denn so?« Er ließ den Blick in alle Richtungen schweifen, erleichtert, dass niemand auf dem Platz war. Es war nicht gut, sich mit einem Juden sehen zu lassen, nicht einmal mit einem, der schon im- mer hier in der Stadt wohnte.

Elia war älter als Masen, hellhäutig wie Salim und hatte ma- gere Arme. »Ya’ni«, antwortete er und zuckte mit den schmalen Schultern – das arabische Allerweltswort, das die Grauzone zwischen Gut und Schlecht umfasste. »Ich wollte zu meinem

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Vater«, fügte er hinzu und wies in Richtung des Souk Balas- beh, des Kleidermarkts. »Inzwischen schließen wir früher. Er möchte nicht, dass ich alleine nach Hause gehe. Wegen der vie- len Schwierigkeiten.«

»Wer macht denn diese Schwierigkeiten?«, entgegnete Ma- sen. »Doch wohl dein Vater und seine Kumpane.«

»Er gehört nicht zu denen, Masen«, protestierte Salim. Un- deutlich erinnerte er sich an die Zeit, als sie noch Freunde hat- ten sein dürfen. Isak Yashuv, Elias Vater, war beinahe Araber. Man konnte ihn mit seiner dunklen irakischen Haut und den scharfen Augen, die über die Kohlen seiner den ganzen Tag blubbernden Wasserpfeife spähten, kaum von einem Palästi- nenser unterscheiden. Doch Elias Mutter stammte nicht aus Palästina und war mit den weißen Juden gekommen.

Dieser Punkt war ausführlich und hitzig in Salims Fami- lie debattiert worden, als man einen Schlussstrich unter die Freundschaft zwischen Elia und Salim gezogen hatte.

»Ein Jude ist kein Palästinenser, und ein Jude ist auch kein Araber«, hatte Abu Hassan gebrüllt und mit der Faust auf den Tisch geschlagen. »Das sind alles Schweinekerle, die nur herge- kommen sind, um uns auszurauben. Willst du mich zum Ge- spött machen?«

»Herrgott, beruhige dich«, entgegnete seine Mutter kühl. Ihre hohe Stirn war so glatt wie Glas. »Isaks Familie hat schon im Souk Balasbeh Knöpfe angenäht, als du noch gar nicht ge- boren warst. Und wenn du schon von seiner ausländischen Frau sprichst – was ist denn mit mir? Hast du mich nicht auch in dieses gottverlassene Land verschleppt wie eine Kuh auf einem Karren?«

Salim wusste, dass seine Mutter und die blasse Lili Yashuv auch eine seltsame Freundschaft verband; wenn sie schöne

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Kleider in Isaks Laden kauften, unterhielt sich Lili in stocken- dem Arabisch mit starkem Akzent mit ihr. Und Salims Mutter lächelte dann, wie sie es nur selten tat, selbst bei den Frauen anderer A’yan.

Heute wirkte Elia noch bedrückter als sonst. Seine Fami- lie gehörte zu den wenigen, die sich weiterhin an ihr Zuhause in Jaffa klammerten. Alle anderen waren nach Tel Aviv gezo- gen. Der Laden auf dem Kleidermarkt machte sie zu einer Ziel- scheibe, doch Isak weigerte sich aufzugeben. »Ich lasse mich von diesem Wahnsinn nicht kleinkriegen«, beharrte er und ging hartnäckig jeden Tag zur Arbeit, obwohl die Geschäfte immer schlechter liefen.

»Meine Familie möchte keinen Ärger«, wandte sich Elia an Masen. »Wir wollen einfach nur unsere Arbeit machen. Aller- dings haben wir die Schwierigkeiten nicht nur der Irgun zu verdanken.« Er wies mit dem Kopf nach Süden, wo sich die Hauptquartiere der Najjada und der Arabischen Befreiungs- armee befanden.

»Hör zu, Elia, ich begleite dich jetzt zu deinem Vater«, schlug Salim rasch vor. In Masens Miene malte sich nämlich ein Aus- druck, den er nur allzu gut kannte: sein Schlägergesicht. »Wir müssen vor der Ausgangssperre zu Hause sein.«

»Viel Spaß, ihr Yehudim.« Masens Tonfall triefte vor Ver- achtung. »Noch einen schönen Spaziergang. Wir sehen uns, wenn die arabischen Armeen kommen.« Er trat auf Elia zu und beugte sich dicht zu dessen Ohr vor. »Wir sind viele Tau- sende, Jude. Wart’s ab.« Mit diesen Worten wandte er ihnen den Rücken zu und lief über den Platz.

»Du brauchst nicht mitzukommen, Salim«, meinte Elia. Der Himmel verdunkelte sich. Die Nacht brachte schiefergraue Wolken.

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»Ich muss ja nicht den ganzen Weg mitkommen. Nur ein Stückchen. Geht es deiner Mama gut?«

»Ja, aber sie hat inzwischen Angst. Sie und Papa streiten oft.«

»Meine Eltern auch.« Salim stieß die Schuhspitze gegen den Boden. »Hat sie Angst, dass die arabischen Armeen kommen könnten, um uns zu retten?« Inzwischen war im Radio und in den Freitagspredigten von nichts anderem mehr die Rede.

Da Elia nicht antwortete, setzten sie ihren Weg schweigend fort. Salim hatte ein wenig Mitleid mit ihm. Würde er sich an Elias Stelle nicht auch vor den gewaltigen arabischen Armeen fürchten? Er malte sich unzählige Reihen von Männern aus, die Fahnen und Gewehre schwenkten wie die Beduinen in den alten Geschichten.

»Dann kannst du zu uns kommen«, sagte er, von Gefühlen überwältigt. »Mama wird dich verstecken. Wir erzählen ein- fach niemandem, dass du Jude bist. Bei uns bist du sicher.«

Als Elia plötzlich den Kopf hob, erschrak Salim über seinen Gesichtsausdruck. »Ya, Salim, ich glaube nicht, dass wir so wei- terleben können wie bisher«, meinte er zögernd. »Mama sagt, deine Leute hassen die Juden und werden das Land nicht zur Ruhe kommen lassen. Also werden wir einander bekämpfen, ganz gleich, was auch geschieht.« Wieder zuckte er die Achseln. »Nur Gott weiß, wer siegen wird.«

»Die Araber werden siegen«, erwiderte Salim mit Nach- druck. Er hatte zwar nicht viel für seinen Vater, Abu Masen oder die anderen beleibten Männer übrig, die bei ihm zu Hause aus und ein gingen, doch seine Welt drehte sich um den Ge- ruch ihrer Zigaretten und ihre leisen Gespräche. Für ihn war es unvorstellbar, dass sie einmal nicht mehr die Macht haben könnten, in Ruhe das Universum zu ordnen.

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»Wenn du das glaubst, bist du auch nicht besser als Masen«, entgegnete Elia und blieb neben ihm stehen. »Warum bist du nicht mit dem da mitgegangen? Er wird dir beibringen, wie du meine Familie erschießen und unseren Laden verwüsten kannst wie seine Terroristenfreunde.«

Salim konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Die Vorstel- lung, wie der fette Masen schreiend mit einer Pistole herum- fuchtelte, war einfach zu komisch. Allerdings schien seine Re- aktion Elia gekränkt zu haben. Seine mageren Schultern zogen sich in den Körper zurück; er wirkte jetzt wie ein sprungberei- ter Schachtelteufel. »Yalla, dann hau halt ab!«, brüllte er. Sein Arm schoss, halb Schlag, halb Schubser, nach vorne, traf Salim an der Brust und drückte ihn an die Steinmauer.

Es fühlte sich an wie damals der Bienenstich – zuerst war alles taub, dann kam ein Schmerz, der immer stärker wurde, sodass Salim am liebsten losgeschrien hätte. Heiße Tränen tra- ten ihm in die Augen.

»Du solltest abhauen!«, brüllte er zurück und ballte die Fäuste. »Verschwinde. Das hier ist Palästina, wo Araber woh- nen. Geh doch zurück, wo du hergekommen bist.«

»Ich komme aus Jaffa.« Elia klang, als sei er den Tränen nah. »Aber Masen, dieser Schwachkopf, will uns eine Bombe ins Fenster schmeißen. Was sollen wir denn tun?«

Salim erinnerte sich an den Terroranschlag auf dem Clock Tower Square, an die blutigen Gesteinsbrocken und an die schrillen Schreie, die wie Rauch durch die Luft waberten. An jenem Abend hatte Bürgermeister Heikal im Radio gesprochen und die Juden als Kindermörder und wilde Bären bezeichnet. Masen und seine Bande hatten Rache geschworen. An diesem Tag wäre es in ganz Jaffa der Ketzerei gleichgekommen, die Juden nicht für Teufel zu halten.

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Dennoch war Salim überzeugt, dass sich auch die Welt der Juden in Gut und Böse aufteilte. Die Bösen lebten in Tel Aviv und auf den großen Landgütern, auf die ein Araber keinen Fuß setzte. Es hieß, sie hätten Familien aus ihren Häusern vertrie- ben, seien in Haifa, Jerusalem und in arabische Dörfer einmar- schiert und hätten Hunderte von Menschen getötet, während die Briten tatenlos zusahen. Salim war noch nie einem dieser Albtraum-Juden begegnet. Doch nachts beim Einschlafen um- ringten ihn ihre dunklen gesichtslosen Gestalten.

Aber Elias Familie sah doch aus wie die meisten Einwohner von Jaffa. Sie arbeiteten und lebten genau wie seine Familie. Wie also konnten sie dann Feinde sein?

Als er das Elia erklären wollte, fand er nicht die richtigen Worte. Dafür war er viel zu verwirrt. Stattdessen stand er ein- fach da, senkte den Blick und scharrte mit dem Fuß im Kies. Bis zu den Toren von El-Balasbeh war es noch ein Stück, und es war kurz vor Ladenschluss. Elia seufzte, ein Geräusch, das wie ein Und? klang. Doch falls es sich dabei um eine Einladung handelte, dann verstand Salim sie nicht.

»Ich muss nach Hause«, sagte Salim schließlich. Vielleicht konnten sie ja am nächsten Tag alles klären. Elia nickte.

»Gut, Salim«, erwiderte er. »Ma salam – geh in Frieden.«

Als Elia sich entfernte, fühlte sich Salims Magen schwer an – so als stießen dort die Sorgen wie Kieselsteinchen aneinander. Ihm blieb nichts anderes übrig, als vorbei an der Ruine auf dem Platz und durch die Straßen mit den geschlossenen Lä- den, nach Hause zu laufen, wo er in Sicherheit war.

Die Villa der Al-Ismaelis wurde allgemein nur Beit Al-Sha- mouti, Orangenhaus, genannt. Durch die Gitterstäbe des eiser- nen Tors war eine dichte Front von Bäumen zu sehen, die Sha-

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mouti-Orangen trugen. Im Frühling schwollen die Knospen an ihren Zweigen. Und im Sommer verwandelten sich die klei- nen zitronengelben Knollen in das kugelrunde Gold von Jaffa. Wenn die Orangen zu Saft gepresst oder aufgeschnitten und mit Zucker und Rosenwasser besprengt wurden, lag eine bit- tere Süße in der Luft. Am anderen Ende von Jaffa wurden die Früchte in Papier gewickelt, in Dampfschiffe verladen und in Länder gebracht, von denen Salim nur träumen konnte.

Die Nachbarn tuschelten, dass sich der wulstlippige Said Al-Ismaeli – von seinen Freunden Abu Hassan genannt – ohne seine fünfzehn Dunums großen Orangenhaine südlich der Stadt wohl kaum mehr als einen Schuppen in seinem Garten hätte leisten können. Das war der andere Grund für den Spitz- namen des Hauses.

Auf dem Nachhauseweg durch die dämmrigen Straßen dachte Salim über Elia und Masen nach. Früher waren sie alle Freunde gewesen. Doch im letzten Jahr hatte sich alles verän- dert.

Frère Philippe hatte versucht, es ihnen in der Schule zu er- klären. Palästina sollte zwischen den Juden und den Arabern aufgeteilt werden. Die Juden würden die nördliche Küste, Ga- liläa und die Wüste im Süden bekommen. Die Palästinenser das fruchtbare Westufer des Jordan, die grünen Hügel an der Grenze zum Libanon und den Hafen Gaza im Süden. Jerusa- lem sollte der ganzen Welt gehören. Da Jaffa im palästinensi- schen Teil lag, hatten die Juden dem Gesetz nach keinen Zu- griff darauf. Salim hatte seinen Lehrer verdattert angestarrt. Wer waren denn diese Leute, die einfach die Häuser anderer Menschen umverteilten?

Beim bloßen Gedanken, jemand könnte ihm seine Bäume wegnehmen, begann seine Haut zu prickeln. Fellah! Wie

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konnte Masen es wagen, ihn einen Bauern zu nennen? Bauern waren arm und schmutzig und hatten schwielige Hände und schlechte Zähne. Sie arbeiteten zwar auf den Feldern, aber sie gehörten ihnen nicht. Ich bin der Sohn eines Landbesitzers. Ich habe das Recht, die Ernte einzubringen.

Als er letzte Woche in den Hainen gewesen war, hatte er keine Frucht berühren dürfen. Salim sei zu jung, hatte Abu Hassan gesagt – was zu ungehorsam bedeutete. Die Ernte ist eine Arbeit für Männer, nicht für Kinder, hatte er verkündet.

Hassan hingegen durfte immer mit. Abu Hassan hatte seine Freude daran, wie ein richtiger Herr, ein Effendi, den ältesten Sohn durch die Baumreihen zu führen. »Als ob er der Erbe einer großen Sache wäre, nicht nur von ein paar Hektar Staub«, hatte seine Mutter gesagt. Salim war ein zu komplizierter Fall für einen Mann, der Geld, Müßiggang und Kaffee – in dieser Reihenfolge – liebte und den Filastin, die in Jaffa erscheinende Zeitung, nur kaufte, um ihn zusammengefaltet auf den Wohn- zimmertisch zu legen.

Deshalb hatte Masens Seitenhieb auch so wehgetan. »Mein Vater ist ein kluger und wichtiger Mann, der die Zusammen- hänge durchschaut«, hatte er damit sagen wollen. »Dein Va- ter mag ein wenig Geld haben, aber er hat den Verstand eines Fellah. Und deshalb wird deine Familie im Regen stehen, falls es zu Kämpfen kommt.«

Salim drehte den Knauf des rückwärtigen Tors und schlüpfte in den Garten. Die Bäume wirkten in der Dämmerung schläf- rig, die Luft zwischen ihnen war noch von der Sonne erwärmt.

Es machte ihm Spaß, sie zu zählen, während er den Weg hinauf zur Veranda ging. Jeder Baum hatte eine Geschichte: Der schiefe hier hatte bei einem berüchtigten Wintersturm seine Zweige verloren, stand nun wie ein Bettler am Tor und 

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streckte Gästen klagend einen Arm entgegen. Der dort drüben war ein Rabauke, der seine Äste in die Kronen seiner Nach- barn zwängte, während seine Wurzeln wie Meeresungeheuer aus dem Boden quollen.

Und dann waren da noch die drei kleinsten Bäume, ge- pflanzt für die Söhne: erst der für Hassan, dann der für Salim und im letzten Jahr auch einer für Rafan.

Hassans Baum hatte für sein Alter eine ansehnliche Größe erreicht. Er war hoch genug, um sich darunterzustellen, und hatte dicke Wurzeln. Da er rasch gewachsen war, hatte Hassan schon mit fünf Jahren die ersten Früchte ernten können. Salim konnte sich an kein Jahr ohne das Ritual erinnern, bei dem er den geflochtenen Korb für seinen älteren Bruder gehalten und den bitteren Duft der frisch gepflückten Orangen geschnup- pert hatte.

Salims Baum trug nun seit einem Jahr Früchte. Allerdings hatte sein Vater sie ihn noch nicht ernten lassen, um ihm eine Lektion in Gehorsamkeit zu erteilen. Die Besitzer von Oran- genplantagen pflanzen Bäume, wenn ihre Söhne geboren wer- den, sagten die Fellahin. Doch süß werden die Früchte erst, wenn aus den Jungen Männer geworden sind.

Vielleicht bist du ja deshalb so klein, dachte er traurig und streichelte die Rinde. Der Baum war nur drei Jahre jünger als der von Hassan, aber erst knapp halb so groß. Außerdem neigte sich der Baum nach Westen, dem Sonnenuntergang entgegen. Seine Zweige griffen nach der Mauer, als wollten sie darüber- klettern, um zu fliehen.

Dass Salims Baum nicht wachsen wollte, war in der Fami- lie häufig das Thema von Frotzeleien. Besonders Hassan hatte seine Freude daran. »Hoffentlich werden deine Eier mal grö- ßer als deine Orangen, Salim«, hänselte er. »Vielleicht verwan-

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delst du dich sonst noch in eine Frau.« Seine Mutter gab dem schlechten Boden die Schuld. Am Tor war er steinig, und au- ßerdem fehlte die Morgensonne. Aber sie verspottete ihn nie dafür, dass er ihn liebte. Er berührte die frische Kerbe, die erst diese Woche hinzugekommen war, und erinnerte sich daran, wie sie bei Kerzenschein zusammen in den Garten geschli- chen waren, um durch einen Ritz am Baum seine Körpergröße am siebten Geburtstag zu markieren und im Schein der Sterne Süßigkeiten zu essen.

Als er ankam, saß seine Mutter auf der Veranda und gab Rafan die Brust. Der Himmel hinter ihr verdunkelte sich, und die blauen Schatten ließen ihr Haar schwarz wirken. Sie hatte den Kopf über das Baby gebeugt. Die Meeresbrise verschluckte ihr leises Lied.

Nur Al-Ismaeli war eine atemberaubende Frau. Das er- kannte selbst Salim am Getuschel der anderen Jungen und der ehrfürchtigen Haltung der Frères, wenn sie ihn und Hassan zur Schule brachte. Es war ihre distanzierte Art – so still und me- lancholisch wie eine Statue und gleichzeitig so herablassend wie die an den Felsen gebundene Andromeda. Ihre helle Ge- sichtsfarbe und ihre olivgrünen Augen waren das Erbe einer adeligen libanesischen Familie, die, in finanzielle Schwierigkei- ten geraten, die Jungfräulichkeit ihrer fünfzehnjährigen Toch- ter für den Gegenwert zweier neuer Autos und einer Pension für ihren Vater an Said Al-Ismaeli verkauft hatte.

Inzwischen, fünfzehn Jahre später und mit drei Kindern, die alle hier geboren waren und aufwuchsen, lebte sie noch im- mer wie eine Fremde in Palästina. Doch für Salim war sie die Quelle aller Wunder und der Liebe. Er war immer ihr Lieb- lingskind gewesen – bis das neue Baby kam.

Auf einmal unbeschreiblich müde, stützte er das Kinn auf 36

ihre Schulter. Sie wandte den Kopf, um ihre Stirn an seine zu lehnen. Kurz schloss er die Augen.

»Wo warst du, Ya’Eni?«, fragte sie. Salim war das einzige ihrer Kinder, das sie je mit diesem Kosenamen bedachte, dem Segen einer Mutter, der »Du bist mir wertvoller als meine Augen« bedeutete. Sie drückte das in dem altmodischen förmlichen Arabisch der Imame und Sänger aus – in Worten, die Distanz schufen und sie als Ausländerin brandmarkten. Doch für Salim klangen sie erhaben und weckten Tagträume von Rittern und Königinnen.

»Unterwegs mit Masen, Mama.«

Sie lachte, als Rafan auf ihrem Schoß leise schnaubte. »Ich begreife nicht, was du an diesem Schweinesohn findest.« Salim spürte, wie ihm ein schlechtes Gewissen den Rücken hinauf- kroch.

»Ich mag ihn auch nicht. Aber sonst ist ja niemand mehr hier«, rechtfertigte er sich. Das stimmte – viele Menschen hat- ten Jaffa verlassen und gesagt, sie würden zurückkommen, wenn die »Schwierigkeiten« ausgestanden seien. Salim zögerte und fügte dann hinzu: »Er hat Baba einen Bauern genannt.«

»Aya, dann ist er vielleicht klüger, als ich dachte.« Sie hob den Kopf ins Dämmerlicht und musterte ihn forschend mit aufmerksamen Augen. »Hat es dir etwas ausgemacht?« Salim ließ den Kopf hängen und wagte nicht zu antworten.

»Habibi, mein Liebling«, sagte sie, und er bemerkte, dass ihr Tonfall leicht belustigt war. »Er ist traurig, weil ein Moskito ihn gestochen hat. Es gibt hier so viele, überall schwirren sie herum. Doch wenn der Morgen kommt, Ya’Eni, was geschieht dann mit den Moskitos?« Sie öffnete die leere Hand, und Salim malte sich aus, wie winzige Schatten in der Luft verpufften. »Eines Tages werden die Masens dieser Welt genauso unwich-

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tig für dich sein wie das hier. Du wirst ein größerer Mann sein als sie.«

Ebenso schnell ließ sie die Hand wieder sinken und blickte zum Horizont, wo sich ein fahler Dämmerschein über dem Meer ausbreitete.

»Wenn du wissen willst, was für ein großer Mann Masen einmal werden wird, geh nur rein«, fuhr sie in wegwerfendem Ton fort. »Abu Masen ist da und spricht mit deinem Vater über den Lauf der Welt.«

In der Küche war es dunkel. Das Abendessen stand schon fertig und abgedeckt auf dem Tisch; ein warmer Duft nach Reis, Lamm, Sesampaste und kleinen Päckchen aus gedämpf- ten Kohlblättern. Gleich hinter der Küchentür begann Abu Hassans Reich, ausgestattet mit ausladenden Ledersesseln rings um einen mit Schildpattlack überzogenen Couchtisch.

Durch die Tür konnte Salim das leise, vorwurfsvolle Brum- meln seines Vaters und Abu Masens geschliffene Antworten hören. Als er das Wort Juden aufschnappte, schob er die Tür einen Spalt weit auf, um besser lauschen zu können.

»Das kannst du sehen, wie du willst, mein Freund«, sagte Abu Masen. »Aber die Männer, die jetzt gehen, verhalten sich vernünftig. Nimm nur Heikal und Al-Hawari! Heikal ist Jaf- fas Stadtoberhaupt, und Al-Hawari ist der ranghöchste Soldat. Und sind sie hier? Nein. Sie warten in Beirut und Kairo ab, wie sich die Lage entwickelt. Sie wissen, dass die Briten uns fallen gelassen haben wie eine heiße Kartoffel. Die Juden haben Haifa und Jerusalem eingenommen, ohne dass die Inglisi auch nur einen einzigen Schuss abgegeben hätten. Bald werden sie hier sein. Und dann wird genau das Gleiche passieren wie in Deir Yassin.«

Deir Yassin. Bei diesen Worten überlief es Salim eiskalt. Er 38

hatte Fotos von dem Dorf gesehen, nachdem die Irgun dort gewesen war. Es hieß, die Juden hätten ganze Familien an die Wand gestellt und sie mit Kugeln vollgepumpt.

»Die Juden sind Feiglinge.« Abu Hassan hatte eine heisere Bassstimme. »Haifa und Deir Yassin konnten sich nicht ver- teidigen. Wir hier haben die Arabische Befreiungsarmee mit mehr als zweitausend Mann.«

»Von den paar Figuren werden sie sich nicht stören lassen. Sie haben die Americani auf ihrer Seite. Und die Vereinten Na- tionen. Außerdem besitzen sie Gewehre und Artillerie aus Europa. In drei Wochen wird über Palästina das Todesurteil gesprochen. Sobald die Briten fort sind, werden die Juden ihre Flagge hissen und sie auch verteidigen. Oder glaubst du, Ben- Gurion wartet ab, bis wir seine Konvois und Kibbuze überfal- len? Darauf, dass die Ägypter und Jordanier in seinem neuen Israel einmarschieren, in unseren Städten Posten beziehen und dann nach Jerusalem vorrücken, um ihn zu vernichten? Nein, das werden die Juden nicht riskieren, darauf gehe ich jede Wette ein. Sie werden zuerst angreifen und alles an sich reißen, was sie kriegen können. Haifa ist verloren. Wir sind die Nächs- ten. Erinnerst du dich an den Vorfall auf dem Clock Tower Square? Unser Schicksal kümmert die nicht. Vielleicht sollten wir uns aus dem Staub machen, bis unsere Freunde über die Grenze kommen, um uns zu helfen.«

Aus dem Staub machen?, dachte Salim, während sein Vater erwiderte: »Warum sollte ich wegen der Yehudim mein eige- nes Haus verlassen? Sollen die arabischen Armeen doch rings- herum kämpfen.«

Im nächsten Moment stieß Salim einen Schreckensschrei aus, denn eine Hand legte sich über seine Augen und eine zweite über seinen Mund.

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Das Kichern hinter ihm verriet ihm, dass es Hassan war. Er wurde kräftig in die Wange gekniffen. »Was soll das, ya Salimo? Lauschst du schon wieder an Türen? Soll ich es Baba erzählen, oder gibst du mir Schweigegeld?«

Panisch drehte Salim sich um und versuchte, sich aus Has- sans Griff zu befreien. Ein rudernder Arm traf Hassan an der Wange. Der Junge hörte auf zu lachen und fing stattdessen zu schreien an: »Baba, Baba!«

Das Gespräch verstummte. Schritte näherten sich, und dann wurde die Tür aufgerissen. Da Hassan ihn noch immer fest im Schwitzkasten hielt, konnte Salim nur die runden Wangen und die eingesunkenen Augen seines Vaters über dem weißen Hemd und dem Halstuch sehen, die ihn finster betrachteten.

»Er hat mich gehauen, Baba«, keuchte Hassan. »Er hat an der Tür gelauscht, und als ich ihn daran hindern wollte, hat er mich gehauen.«

Die Unverfrorenheit verschlug Salim den Atem, und die Worte sprudelten aus ihm hervor, ehe er sie zurückdrängen konnte. »Du Lügner!«, brüllte er. »Du verlogener Sohn eines Schweins!«

Als Hassans Augen sich vor Schreck weiteten, wurde Salim klar, was er gerade gesagt hatte. Im nächsten Moment sauste Abu Hassans beringte Hand durch die Luft auf ihn zu und ohr- feigte ihn so heftig, dass er sich auf die Lippe biss. Speichel und Blut mischten sich mit den Tränen, die ihm über die Wange liefen.

Er blickte zu seinem Vater hinauf und sah die vorgescho- bene Unterlippe. Dieselbe starrsinnige Unterlippe, über die letzte Woche das Nein zur Ernte, das Nein zum Orangenbaum und das Nein zum Vorschlag seiner Mutter gekommen waren, für ihn eine Geburtstagsfeier zu veranstalten, wie sie bei den

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britischen Kindern stattfand. Und er hörte sich selbst sagen: »Hoffentlich kommen die Juden und schmeißen dich raus.« Dann rannte er schluchzend die Treppe hinauf in sein Zimmer und knallte die Tür zu.

Allmählich beruhigte er sich, und die Geräusche jenseits sei- ner Tür waren wieder zu hören. Das Abendessen, das ohne ihn eingenommen wurde. Die Stimmen seiner Mutter und seines Vaters, erhoben zum allabendlichen Streit. Heute ging es um die Perlenkette, die Rafan zerrissen hatte und deren Repara- tur laut Baba zu teuer geworden wäre. »Glaubst du, du hättest einen reichen Mann geheiratet?«, polterte er in seinem heise- ren Bass. »Genügt es dir denn nicht, dass ich von diesen Liba- nesen ausgeplündert worden bin, als ich dich zur Frau genom- men habe? Willst du das Werk für sie vollenden?« Und dann: »Wenn du herumlaufen willst wie eine Beiruter Hure, geh doch dorthin zurück. Ich werde dich nicht daran hindern.« Worauf ihre kalte Antwort folgte: »In Beirut führen sogar die Huren ein besseres Leben als ich.« Salim zog sich das Kissen über den Kopf.

Nach dem Essen öffnete sich quietschend die Tür, und er hörte leise Schritte. Eine Stimme flüsterte: »Hey, Salim, Baba sagt, du musst ohne Abendessen ins Bett, aber ich habe dir einen Teller gebracht.« Es war ein zerknirschter Hassan. Salim drehte sich zu ihm um, antwortete jedoch nicht.

»Mein Gott, es war doch nur ein Scherz, Salim. Du nimmst immer alles so ernst, du Dummerchen. Aber warum musst du den Alten immer wieder ärgern? Du weißt doch, wie er ist.« Verlegen streckte er die Hand aus und zauste Salim das Haar.

Nachdem Hassan fort war, versuchte Salim, das Essen nicht zu beachten. Aber ihm knurrte so sehr der Magen, dass er

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UNVERKÄUFLICHE LESEPROBE

Claire Hajaj

Ismaels Orangen

Roman

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 448 Seiten, 13,5 x 21,5 cm ISBN: 978-3-7645-0516-5

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Erscheinungstermin: März 2015

Kann Liebe wachsen, wo Hass gesät wird?

Jaffa, April 1948. Der siebenjährige Salim Al-Ismaeli, Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters, freut sich darauf, die ersten Früchte des Orangenbaums zu ernten, der zu seiner Geburt gepflanzt wurde. Doch der Krieg bricht aus und treibt die ganze Familie in die Flucht. Von nun an hat Salim nur noch einen Traum: Eines Tages zu seinem Baum zurückzukehren und im Land seiner Väter zu leben.

Zur selben Zeit wächst Judith als Tochter von Holocaust-Überlebenden in England auf – und sehnt sich danach, irgendwann ein normales und glückliches Leben führen zu dürfen. Als Salim und Judith sich im London der Sechzigerjahre begegnen und ineinander verlieben, nimmt das Schicksal seinen Lauf und stellt ihre Liebe auf eine harte Probe ...

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Ausbildung im Quality Hotel Kieferneck, Bad Bevensen

Ausbildung im Hotel Kieferneck, Bad Bevensen

Als innovatives Unternehmen setzen wir seit vielen Jahren auf Berufsausbildung im eigenen Haus: Jährlich beginnen im Hotel Kieferneck junge Menschen ihre Berufsausbildung. Deshalb bieten wir attraktive Ausbildungsplätze und Berufe mit Perspektive. Mitbringen sollten sie frisches Auftreten, Herzlichkeit, Kommunikationsfreude und einen hohen Anspruch an Service. 

 Ob als Koch oder Köchin, als Restaurantfachfrau oder - mann, als Hotelfachmann oder -frau.  Im Kieferneck, Bad Bevensen, liebevoll "Azubi" genannt – ist das in vielerlei Weise anders als in anderen Lehrbetrieben. Wir schenken den Auszubildenden nichts, geben ihnen schon früh Verantwortung und erwarten vollen Einsatz von ihnen. Der Lohn dafür: Wir kümmern uns um sie und bieten ihnen eine umfassende Ausbildung. Außer zahlreichen internen Schulungen lassen wir uns viel einfallen, um ihren Horizont zu erweitern und Ihnen ein umfassendes Berufswissen zu vermitteln.

 Wir sehen unsere hohe Ausbildungsquote auch als Beitrag an sozialpolitischer Verantwortung.

So auch wieder ab August diesen Jahres und freuen uns, dass wir diese neuen Azubis für's Kieferneck in Bad Bevensen gewinnen konnten:

- Vladislav Pronin, im 2. Lehrjahr zum Restaurantfachmann

- Artur Scherer, im 1. Lehrjahr zum Hotelfachmann

 Details zu den jeweiligen Ausbildungen und Berufen gibt es hier: www.azubicareer.de

Das gesamte Team des Quality Hotel Kieferneck, Bad Bevensen, wünscht allen eine erfolgreiche Ausbildung und viel Freude am Beruf. 

 


Ausbildung im Quality Hotel Kieferneck, Bad Bevensen

Restaurantfachmann/-frau

Restaurantfachleute bedienen und betreuen Gäste, arbeiten im Restaurant, am Buffet und in der Bar. Sie begrüßen und beraten Gäste, servieren Getränke und Speisen, sie erstellen die Rechnung und kassieren. Die Planung und Ausrichtung von Veranstaltungen, Tagungen und Festlichkeiten ist ein weiterer Schwerpunkt dieses abwechslungsreichen Berufes.

Vom Commis de Bar zum Hoteldirektor

Hotelfachmann/-frau

Hotelfachleute sind in allen Abteilungen eines Hotelbetriebes tätig. Sie arbeiten am Empfang, in der Reservierung, im Verkauf, im Service, im Wirtschaftsdienst (Etage) oder in der Veranstaltungsabteilung (Bankett). Sie planen und organisieren die wesentlichen Arbeitsabläufe im Hotel.

Vm Commis de Cuisine zum Küchendirektor



Ellen Laas zur Jubiläumsfeier im Kieferneck

40 Jahre Hotel Kieferneck in Bad Bevensen

Ellen Laas, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Bad Bevensen sagte in Ihrer bewegenden Ansprache an die zahlreich erschienen Gratulanten:

"Schon die Gründung des Hotels im Jahr 1972 war ein Geschenk für die Stadt." ...

Sehr geehrter Herr von Keller, 

Sehr geehrter Herr stellvertretender Landrat Hallier,

Sehr geehrte Damen und Herren! 

ich freue mich, dass ich heute bei Ihnen sein kann und überbringe Ihnen ganz herzliche Grüße der Stadt Bad Bevensen und unseres Stadtrates. 

Ich bin besonders gerne heute hierher gekommen. Denn am liebsten sind einer Bürgermeisterin natürlich die Geburtstagskinder, die selbst keine Geschenke nehmen, sondern anderen Geschenke machen. Und das tut das Hotel Kieferneck bereits seit 40 Jahren. 

Ich will das näher erklären: Schon die Gründung des Hotels im Jahr 1972 war ein Geschenk für die Stadt. Ein Geschenk, das im Laufe der Zeit an Wert gewonnen hat. Das Hotel Kieferneck ist heute eine feste Institution, ein Motor unseres wirtschaftlichen Lebens. Dabei denke ich natürlich in erster Linie an die Arbeitsplätze bei Ihnen. Das Hotel  ist Lebensgrundlage für viele Menschen in unserer Stadt. Darüber hinaus profitieren natürlich andere Betriebe davon, dass Sie hier investieren und arbeiten: vom Bäckerbis zur Fleischerei, vom Floristen bis zur Wäscherei. 

Sie sind wichtig für uns, Sie sind ein Aushängeschild für unsere Stadt. Das Hotel Kieferneck gehört Gründung zu den führenden Hotels in Bad Bevensen und hat daher auch eine besondere Bedeutung für die Entwicklung des Tourismus in unserer Stadt. 

Sie haben gerade in den letzten Jahren erheblich in die Modernisierung Ihres Hotels – insbesondere in den Wellnessbereich - investiert, um sich rechtzeitig den Veränderungen im Tourismus zu stellen und die Wünsche Ihrer Gäste zu erfüllen. 

Und durch Sie fließen wichtige Einnahmen in unsere Stadtkasse und Sie tragen dazu bei, dass die Stadt wiederum in Projekte  investieren kann. Diesen Aufgaben können wir nur gerecht werden, wenn die Wirtschaft in unserer Stadt läuft. Dass sie gut läuft, dazu leisten Sie einen wichtigen Beitrag. 

Deshalb bin ich ganz eigennützig, wenn ich Ihnen von Herzen das Beste für die nächsten Jahre wünsche. Und das Beste für ein Hotel ist der Erfolg - und natürlich die Zufriedenheit Ihrer Gäste. 

Johann Wolfgang von Goethe sagte:

Erfolgreich zu sein setzt, zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen." 

Auch Sie haben den Erfolg nicht zufällig erreicht, sondern hart erarbeitet und kontinuierlich fortgesetzt. Deshalb sind wir stolz auf Sie, und Sie haben heute allen Grund zu feiern.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch viele Erfolge erleben, dass Sie Ihre neuen und alten Erfolge weiterführen können. 

Lieber Herr von Keller, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hotels Kieferneck, ich wünsche Ihnen im Namen der Stadt Bad Bevensen und auch ganz persönlich alles Gute: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 40jährigen Jubiläum.

Ellen Laas, Stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Bad Bevensen

 

 


Torte 40 Jahre Kieferneck

Eine 10 Kilo schwere Schokocreme-Torte, mit Marzipan-Glasur und leckeren Marzipan-Rosen wurde den Gästen am Abend des 15. September zum 40. Gebrutstag des Hotel Kieferneck präsentiert.

"Das ist ja wie im Traumschiff" waren etliche Kommentare der 75 anwesenden Gäste, als das gesamte Küchen- und Serviceteam mit Feuer und Flammen dieses Meisterstück durch das Restaurant trugen. Für die passende musikalische Begleitung beim Einmarsch sorgte DJ "Matte" Glück. Die Torte wurde in der Kieferneck-Küche selbst von der hauseigenen Konditorin Peggy Schulz gefertigt.

 



Hotel Kieferneck, Bad Bevensen, 1972

40 Jahre Hotel Kieferneck in Bad Bevensen, Lüneburger Heide

Alles begann im Jahre 1972.

In diesem Jahr empfang das Hotel Kieferneck, als 1. Haus der gehobenen Kategorie in Bad Bevensen seine ersten Gäste. In dem damals noch jungen Kur-und Badeort fast revolutionär ausgestattet mit eigenem Schwimmbad und Kellerbar.

 40 Jahre sind seitdem vergangen und mittlerweile ist viel, sehr viel im Kieferneck passiert ...

1974

Familie Becker, die Firma Hotel Kieferneck Fritz Becker GmbH & Co. KG, erwirbt das Hotel. Als Leiter des Hauses wird Herr Karl-Heinz Petersen eingestellt, der das Haus bis 1986 leiten wird. In den Jahren 1977 bis 1986 etabliert sich das Haus unter seiner Leitung als eines der ersten Häuser am Platz. 

 1972 bis 1977

In diesen Jahren ist das Hotel Kieferneck Vertragshotel der BfA und beherbergt deren Kurgäste.

 1976

Der kleine Luftkurort „Bevensen“ wird „Bad Bevensen“ und zieht somit noch mehr Kurgäste an.

 1987 bis 1988

Einbau einer Sauna- und Dampfbadanlage und Renovierung des Schwimmbads

 1989 bis 1991

Renovierung aller drei Hoteletagen

 1996

Das Haus wird vererbt an Frau Susanne Havemeister, 

die Firma wird „Hotel Kieferneck Susanne Havemeister KG“

November 2008

Übernahme des Hotels durch den heutigen Eigentümer Alexander von Keller Szepesi 

unter dem Markennamen Quality Hotel Kieferneck

 2009 

Entstehung der Wellness-Quelle-Kieferneck auf 1000m2, durch kompletten Umbau in UG und EG:

zusätzlich zu Schwimmbad mit Gegenstromanlage, Sauna und Dampfbad gibt es einen Beauty-Salon,

den Privat-Spa mit Doppel-Whirlpool, Infrarot-Sauna-Kabine, Kneip-Fußbad und Ruheraum,

dazu 3 Massage-Räume, 3 Kosmetik-Räume, Aroma-Bad und Fitnessraum.

 

Erlangung des Prädikats "Service Qualität Deutschland"

 2010 

Übernahme und Betrieb des Bistro's und Errichtung des Café's in der Jod-Sole-Therme

Wahl zum Hotel des Jahres aus 170 europäischen Quality Hotels

 2010 und 2011

Neumöblierung von Zimmern und der Lounge-Bar, Einführung der 100% Frische-Küche

 2012

Neugestaltung der Bar mit neuem Tresen und Bar-Technik

 

 

Prominente Gäste:

 

Unter den vielen Künstlern und Prominenten, die im Kieferneck zu Gast waren, sind sicher diese die berühmtesten:

 - Zur „Gästebuch“-Eröffnung, wünscht Schauspieler Wolfgang Völz am 11.05.1975 „ein kräftiges Toi Toi Toi“

 - Ebenfalls im Mai 1975 verewigt sich der berühmte Walter Giller im Gästebuch

 -  Im April 1976 sind Konstantin Prinz Schaumburg Lippe und Ursula Prinzessin zu Hohenlohe-Oehringen Gäste im Kieferneck

 - Ebenfalls im April 1976 ist der bekannte Schauspieler Alexander Kerst zu Gast

 - „Eines der wenigen Häuser, wo man gern länger bliebe“ schreibt der bekannte Schauspieler Günther Schramm im April 1976, Schauspiel-Kollegin Eva Pflug schreibt im gleichen Monat „Herzlichen Dank, ich komme gern wieder!“ 

 

- Schauspiel-Legende Heidi Kabel besucht das Kieferneck im Juli 1978

 

- „Vielen Dank für die Gastfreundschaft und die gute Küche“ schreibt der Schlagerstar Costa Cordalis im Juli 1979 und noch einmal im Juli 1980 in das Gästebuch

 - TV-Krimi-Star Klaus Schwarzkopf verewigt sich am 23. März 1980 im Gästebuch

 - Schlager-Legende Heino hinterlässt am 9. August 1981 einen Gruss im Gästebuch 

- Die berühmten Schauspieler Thekla Carola Wied und Christian Kohlund sind Gäste im gleichen Jahr

- Einen herzlichen Dank, vor allem für die verlängerten Öffnungszeiten der Gaststube und „Weiter so, Susanne!“(Havemeister) hinterlassen Klaus Lage & Band sowie die Crew am 19.10.1989

- Die Schauspieler Wolfgang Wahl und Claus Biederstedt sind 1989 zu Gast

 - Gunther Emmerlich bedankt sich am 29.12.1992 für die Gastfreundschaft

 - Der Komiker Wigald Boning schreibt am 8.9.1995 „Eigentlich auf der Durchreise, geriet unser hiesiger Aufenthalt zu einer fabelhaften Kompaktkur an der schönen Ilmenau. Wir kommen wieder.“ Wenn das kein Kompliment an das Hotel und Bad Bevensen ist !

 - Am 5.6.2003 schreibt Dieter Nuhr „Habe geschlafen wie ein Sack Kartoffeln. Danke und bis bald! 

- Mario Barth verewigt sich im Gästebuch am 19.04.2005

- Burkhard Schmeer ist zu Gast am 02.03.2007 

- Schlagersängerin Lena Valaitis übernachtet am 28.02.2010 im Kieferneck

- Bingo-Star Michael Thürnau schreibt „Nett war es im Kieferneck“ – ohne Datum

 - „Lieber Herr von Keller, ein grossartiger Gastgeber sind Sie! Herzlichen Dank!“ schreibt Justus Frantz am 11.12.2010


Rezeption Hotel Kieferneck 1972
1972 - 2012 1972 - 2012 Gästebuch 1 1972 - 2012 Gästebuch 2 1972 - 2012 Das Hotel

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